Reinhold Beckmann & Band: Freispiel

Konzert am Freitag, 08.06.2018, 20 Uhr, Saal 1 [Online-Tickets]
Das neue Album Freispiel von Reinhold Beckmann trägt seinen programmatischen Titel aus gutem Grund, denn mit den zwölf aktuellen Songs hat sich der langjährige „Sportschau“- und Talkmoderator als Musiker tatsächlich freigespielt. In seinen neuen Stücken erzählt Beckmann persönlich und hintergründig, was ihm im Alltag begegnet und manchmal aufstößt. Das perfekte Scheitern gehört genauso dazu wie die heiteren „unfrisierten“ Gedanken über das, was gestern so wichtig und prägend war. Für seine eingängigen Melodien wählt Beckmann eine Instrumentierung, die dem Jazz nahe steht und in der er seinem favorisierten Instrument viel Raum gibt: der akustischen und der elektrischen Gitarre.

Auch dank der kompetenten Unterstützung von Produzent Franz Plasa (Udo Lindenberg, Rio Reiser, Heinz Rudolf Kunze) ist aus Freispiel ein facettenreiches Album mit liebevollen Arrangements geworden, das sich klanglich stilsicher zwischen Jazz, Bossa Nova, Folk und Country-(Pop) bewegt.

So farbenfroh und bilderreich wie Beckmanns lässige Midtempo-Songs und Balladen sind auch seine Texte. Beckmann mischt persönliche Geschichten mit humorvollen und kritischen Beobachtungen, die von kleinen Macken erzählen und von großen Gefühlen oder was mitunter davon übrigbleibt. Twistringen beispielsweise ist eine Liebeserklärung an den kleinen norddeutschen Ort, in dem er seine Kindheit verbracht hat und „trotz aller Spießigkeit die schrägen, manchmal wilden Siebziger Jahre erleben durfte. Es war keine einfache Zeit und der wichtigste Trost die Musik. Je älter ich werde, umso mehr erwischt mich die Sehnsucht nach dem Ureigenen.“

„Als Journalist musste ich mich zunächst dran gewöhnen, Gedanken in Poesieform zu fassen“, sagt Reinhold Beckmann. „Dass ich mich dabei immer mehr selbst wiederfinde, ist für mich die Neuentdeckung meines Lebens.“ Man hört dies in Die Zeiten sind obskur, den von ihm ins Deutsche übertragenen Bob-Dylan-Klassiker Things Have Changed. Gleichzeitig findet man mit Am Rand der Zeit auch eine kleine Reise in eine Welt, in der angeblich alles erklärt, aber längst nicht mehr verstanden wird. „Die Welt ist momentan wankelmütig und besinnungslos. Manchmal hilft da einfach nur der verführerische Gedanke, alles für den Moment zum Stillstehen zu bringen“, erzählt Beckmann.

Was also 2007 in der Late-Night-Show Inas Nacht in Form eines Duetts mit Gastgeberin Ina Müller seine Initialzündung hatte, erlebt 2018 mit Freispiel einen vorläufigen Höhepunkt, den Beckmann wohl selbst am wenigsten erwartet hätte. „Es ist so ein großes Vergnügen, live zu spielen“, freut er sich. „Es gibt kaum etwas Besseres als das Erlebnis auf der Bühne. Durch die Musik hat sich mein Leben neu sortiert.“


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